Corona

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Bisher keine Corona-Fälle in Braunschweig/Stadt informiert über Stand der Vorbereitung und gibt Verhaltenshinweise

Die Stadt Braunschweig hat heute gemeinsam mit dem Städtischen Klinikum die Medien zum Thema „Corona-Virus“ informiert. Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast, zuständig auch für das Gesundheitsamt, sagte, sie habe sich dazu entschlossen, weil eine Zunahme der Zahlen nicht zuletzt von der Bundesregierung angenommen werde und daraufhin in den vergangenen Tagen verständlicherweise eine Vielzahl von Fragen von Einwohnerinnen und Einwohnern an das Gesundheitsamt gerichtet wurden. „Wir wollen so gut wie möglich Verunsicherung nehmen und informieren.“

 

Das Gesundheitsamt als Behörde, die bei einer epidemischen Verbreitung von Infektionen mit dem Coronavirus (2019-CoV) federführend bei der Verhinderung einer weiteren Ausbreitung wäre, sei regelmäßig in Kontakt mit den Kliniken, der kassenärztlichen Vereinigung und der Feuerwehr als Träger des Rettungsdienstes, um Abläufe und gemeinsames Vorgehen im Ernstfall zu klären.

Corona-Virus

Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte

Ab sofort werde in kurzen Abständen auch ein Runder Tisch tagen, an dem auch die Polizei teilnehmen werde.

 

Einen „Krisenstab“ im Sinne einer Gefahrenabwehr gebe es nur, wenn tatsächlich ein Krisenfall eintrete, also der Nachweis mehrerer Infektionen. „Wir sind so gut vorbereitet, wie es derzeit möglich ist“ so Dr. Arbogast. „Wir haben Informations- und Entscheidungswege geklärt und Handlungsketten abgesprochen, damit wir im Ernstfall handeln können.“
Wobei die Dezernentin hervorhob, dass die Stadt Braunschweig sich wie alle Kommunen an den Vorgaben und Leitlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) halte. Und diese seien auf Grund der dynamischen Lage auch täglichen Anpassungen unterworfen, insofern könnten alle Aussagen und Empfehlungen zum Coronavirus auch immer nur eine Momentaufnahme sein.

Bisher habe es in Braunschweig keinen bestätigten Fall einer Infektion gegeben.

 

Im Regelfall würde nur bei begründeten Verdachtsfällen ein Abstrich genommen und an das Landesgesundheitsamt (NLGA) zur Überprüfung gesendet. Begründeter Verdachtsfall heißt dabei, dass eine Person mit Grippesymptomen sich entweder in einem Risikogebiet aufgehalten hat (zu finden unter www.rki.de) oder Kontakt hatte zu einer Person, die nachweislich am Virus erkrankt ist.

Bisher hat es erst eine Überprüfung eines begründeten Verdachtsfalls in Braunschweig gegeben. Dieser sei gestern kurzfristig geklärt worden, wobei die Probe im Städtischen Klinikum untersucht wurde. Es handelte sich um eine Patientin, die sich in Italien aufgehalten und Kontakt mit einer infizierten Person gehabt hatte. Das Ergebnis war negativ. In elf Fällen wurden zudem in den vergangenen Wochen Abstriche genommen, obwohl kein begründeter Verdacht im Sinne des RKI vorlag, um eine Erkrankung auszuschließen. Auch diese waren negativ.
Zudem gibt es sechs Fälle von Menschen, die nach Absprache mit dem Gesundheitsamt und nach den Vorgaben des RKI vierzehn Tage zuhause bleiben, weil sie in einer Risikoregion waren, allerdings keine Symptome einer Grippe aufweisen. Damit ist eine eventuelle Infizierung derzeit auch nicht nachweisbar. Für die Zeit der möglichen Inkubation sollen sie daher Kontakte meiden und sich beim Gesundheitsamt melden, sobald sie Symptome haben.

 

Die Verunsicherung mit dem Corona-Virus sei auch darauf zurückzuführen, dass es neu sei, sagte Prof. Wilfried Bautsch, Chefarzt für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene am Städtischen Klinikum.

 

Corona-Erkrankungen ähnelten vielfach der Grippe, doch zu Letalität, Krankheitsverlauf und Ansteckungsrisiken sei das Wissen noch lückenhaft. Es gebe gegen Corona auch noch keine Impfung und keine zugelassenen Medikamente. „Es scheint so zu sein, dass die Krankheit bei vielen milder verläuft, dass es jedoch besonders gefährdete Gruppen gibt wie ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, für die Corona sehr gefährlich sein kann. Insbesondere diese sollten sich besonders gut schützen und die Hygieneempfehlungen, die etwa das RKI zur Verfügung stellt, besonders beachten.“

Darauf verwies auch Tobias Lenz, Gesundheitsingenieur im Gesundheitsamt. Es gebe ganz einfache Hinweise, etwa regelmäßiges Lüften, häufigeres Händewaschen und Husten und Niesen in die Armbeuge. Er stehe mit mehreren größeren Arbeitgebern in Braunschweig sowie der TU in Kontakt und weise auch auf diese Empfehlungen hin. Grundsätzlich sei es Verantwortung der Unternehmen, dies an die Mitarbeiterschaft zu kommunizieren. Kontakt werde auch zu Altenhilfeeinrichtungen gesucht, um dort für das Thema zu sensibilisieren.

 

Menschen, die Grippesymptome haben und wie beschrieben die Voraussetzungen für einen begründeten Verdacht erfüllen, sollten sich telefonisch an das Gesundheitsamt wenden und die nächsten Schritte besprechen.

 

Das Gesundheitsamt organisiere dann den Abstrich, der im Regelfall von den jeweiligen Hausarztpraxen genommen wird. In den meisten Fällen wird der Hausarzt den Abstrich dann auch selbst auswerten, in Ausnahmefällen geschieht dies über das NLGA oder das Städtische Klinikum. Solange bleiben die Personen im Regelfall Zuhause. Wenn ein Verdachtsfall außerhalb der Dienstzeiten des Gesundheitsamtes bzw. am Wochenende bei der Leitstelle der Feuerwehr eingeht, wird das Gesundheitsamt informiert und stellt sicher, dass ein Abstrich genommen werden kann.

Bestätigt sich der Verdachtsfall, ist derzeit eine Verlegung in ein Krankenhaus vorgesehen, um die Behandlung des Patienten zu ermöglichen und diesen zugleich zu isolieren. Die drei Braunschweiger Kliniken stimmen sich entsprechend ab, der Rettungsdienst übernimmt den Transport der betroffenen Personen. Das Gesundheitsamt klärt zudem, mit wem der Patient Kontakt hatte und tritt an diese Kontaktpersonen heran. Treten bei ihnen Symptome auf, müssen sie sie dem Gesundheitsamt melden und werden dann automatisch als krankheitsverdächtig eingestuft. Eine Diagnostik wird eingeleitet. Auch dieses Vorgehen folgt den RKI-Vorgaben.

 

Für die Bevölkerung ergebe sich zunächst einmal keine Folge, wenn Verdachtsfälle sich bestätigten, sagte Tobias Lenz.

 

Es bleibe bei den allgemeinen Verhaltensregeln. Betriebe müssten sich überlegen, wie sie ihre Produktion aufrechterhalten, falls es zu vermehrten Fällen in einem Unternehmen komme. Er empfahl in einem solchen Fall auch die Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.
Für den Fall, dass es zu einer erhöhten Zahl von Infektionen, sogar einer pandemischen Entwicklung komme, stellten sich natürlich viele Fragen, sagte Dr. Arbogast. Die Organisationsstrukturen und Verfahrensweisen, in denen die beteiligten Organisationen und Institutionen unter Federführung des Gesundheitsamtes dann arbeiten, sind in Pandemieplänen ausreichend definiert.
„Natürlich gibt es immer Grenzen bei dem, was man bewältigen kann, allerdings hilft es jetzt auch nichts, sich Horrorszenarien auszumalen“, sagte die Dezernentin. „Wir werden immer anhand der konkreten Situation mit Augenmaß entscheiden müssen, wie eine Ausbreitung am besten eingedämmt werden kann. Wir werden uns dann auch mit den übergeordneten Landesbehörden abstimmen.“ Eine Abriegelung ganzer Stadtteile, wie sie anderswo im Falle von einer starken Fallzunahme diskutiert würden, sei für sie jedenfalls schwer vorstellbar. Dagegen sei grundsätzlich allerdings die Schließung von Einrichtungen denkbar, etwa von Schulen oder Kitas, wenn dort Fälle aufträten.
„Wir sollten alle in den nächsten Tagen und Wochen wachsam sein, und jeder kann durch Beachtung der Hygienehinweise einen Beitrag leisten“, sagte die Sozialdezernentin. „Für Panik gibt es jedenfalls keinen Grund.“
Wichtige Informationen und Handlungsanweisungen gibt es auf der Seite des Robert Koch-Instituts (www.rki.de) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de). Einige dieser Handreichungen und Merkblätter sind auch bei www.braunschweig.de eingestellt bzw. darüber verlinkt.
Weitere Informationen unter: www.braunschweig.de
Foto:  oh/© Robert-Koch-Institut
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