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Eine Sonderausstellung im Schlossmuseum Braunschweig wird für Besucher zu sehen sein, sobald eine Öffnung musealer Einrichtungen wieder möglich ist.

Der Wolfsburger Fotograf Heinrich Heidersberger (1906-2006) porträtierte den Braunschweiger Kunstmäzen Otto Ralfs (re.) um 1950 In Braunschweig.

Vor 128 Jahren, am 1. April 1892, wurde der Kunstmäzen und Gründer der „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“, Otto Ralfs, in Braunschweig geboren.

Eine Sonderausstellung zur „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ im Schlossmuseum Braunschweig wird für Besucher erneut zu sehen sein, sobald eine Öffnung musealer Einrichtungen wieder möglich ist. Die Ausstellung informiert auch über Otto Ralfs.
Als Sohn eines Eisenwarenhändlers, der Stadtverordneter und Mitglied im Kulturausschuss war, kam Ralfs bereits als Kind in seinem Elternhaus in Kontakt mit der Kunst. 1919 heiratete er Käte Brachvogel, eine Freundin seiner Schwester, die ebenfalls aus einer kunstbegeisterten Familie stammte. Der Grundstein für ein kunstvolles Leben war dank der Tätigkeit in der Eisenwarenhandlung seines Vaters, die es dem Paar erlaubte Zeit und Geld in die Förderung und Sammlung moderner Kunst zu investieren, gelegt.

Die Initialzündung für Otto Ralfs‘ Begeisterung für die Kunst der Moderne war ein Besuch der Bauhausausstellung in Weimar im September 1923. Dort lernte er Paul Klee kennen, der ihm den Kontakt zu Kandinsky und Feininger vermittelte. Ab diesem Zeitpunkt entspann sich ein feines Netz an Freundschaften zwischen noch heute namhaften Künstler*innen und Ralfs. Zeitweilig besaß er die bedeutendste Sammlung von Werken Klees sowie die zweitgrößte Sammlung von Werken Wassily Kandinskys nach Solomon Guggenheim. Als Leihgeber machte er sich auch über die Grenzen Braunschweigs hinaus einen Namen. Von ihm gegründete Künstlergesellschaften (Klee, Feininger, Kandinsky) ließen seine Sammlung wachsen und sicherten den Künstlern ein Auskommen. Kaum eines der Werke aus seiner Sammlung stammte aus dem Kunsthandel. Bisweilen tauschte Ralfs mit Kurt Schwitters Haushaltsgeräte gegen Kunstwerke.

Im Jahre 1924 gründete Otto Ralfs die „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“. Nach ersten Ausstellungen im damaligen Landesmuseum (heute Herzog Anton Ulrich-Museum), durfte die Vereinigung, über deren Mitglieder wenig bekannt ist, einen als Vorratsraum deklarierten Raum im ehemaligen Residenzschloss beziehen. Sie strichen die Wände Gelb, die Fensterleibungen Rot und realisierten bis zu ihrer Auflösung vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Verfolgung moderner Kunst 40 Ausstellungen mit Künstler*innen wie Karl Hofer, Erich Heckel, Gabriele Münter, Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Emil Nolde, Laslo Moholy Nagy, Ernst Ludwig Kirchner u.v.m. Nicht selten waren diese zu den Eröffnungen der Ausstellungen in Braunschweig anwesend.

Erste Einschränkungen in finanzieller Hinsicht, die auch seine Sammelleidenschaft betrafen, ereigneten sich während der Weltwirtschaftskrise. Das Unternehmen seines Vaters meldete Konkurs an, Otto Ralfs verkaufte erste Werke und arbeitete in der Versicherungsbranche. Der Zweite Weltkrieg war das vorläufige Ende seiner Sammlertätigkeit. Ralfs kämpfte an der Front, verschickte einen Teil seiner Sammlung nach Ostpreußen, wo er zwischenzeitlich stationiert war. Als das Ehepaar Ralfs 1944 seine Silberhochzeit in Teplitz-Schönau feierte, erreichte sie die Nachricht, dass der Rest der Sammlung in Ralfs Wohnhaus verbrannt war. Die Werke, die Ralfs nach Ostpreußen evakuierte gelten bis heute als kriegs- und nachkriegsbedingt verschollen. Eine Übersicht ist in der Lost Art Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste zu finden. Der Verlust seiner Sammlung schmerzte Ralfs enorm. Als er im September 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück nach Braunschweig kehrte, begann er erneut zu sammeln, eröffnete eine Galerie in der Wohnung der Familie in der Feuerbachstraße 8. Eine Persönlichkeitstafel des Braunschweigischen Denkmalprojektes erinnert an Otto Ralfs und sein beispielloses Engagement für die Kunst der Moderne.

Ralfs verstarb am 13. Dezember 1955 bei einem Autounfall. Käte Ralfs führte das Gästebuch ihres Mannes nach seinem Tod weiter. Sie überlebte ihn um 40 Jahre. Im Jahr 1991 wurde sie für die besonderen Verdienste des Ehepaares um die „Förderung der bildenden Kunst“ mit der Bürgermedaille der Stadt Braunschweig ausgezeichnet.
Eine vom Fachbereich Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig, der Braunschweigischen Stiftung, der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, der Richard Borek Stiftung und der Stiftung Niedersachsen geförderte Sonderausstellung bietet einen umfänglichen Einblick in das Schaffen von Otto Ralfs und wird für Besucher baldmöglichst wieder im Schlossmuseum Braunschweig zu sehen sein.

Abb:oh/Institut Heidersberger, Wolfsburg
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