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Die italienische Komponistin Lucia Ronchetti (59) erhält in diesem Jahr den Louis Spohr Musikpreis der Stadt Braunschweig.

Braunschweig. Die italienische Komponistin Lucia Ronchetti (59) erhält in diesem Jahr den Louis Spohr Musikpreis der Stadt Braunschweig. Die Preisverleihung findet mit Unterstützung des Staatstheaters Braunschweig am Sonntag, 16. Oktober, im Rahmen eines Sinfoniekonzertes des Staatsorchesters im Großen Haus des Staatstheaters statt.

Die in Rom geborene Lucia Ronchetti studierte ab 1981 Klavier, Komposition und elektronische Musik an der Accademia di Santa Cecilia sowie dem Corsi Internazionali de Città di Castello und anschließend Geisteswissenschaften an der Universität La Sapienza. 1987 schloss sie ihr Studium mit einer Dissertation über die Kompositionen von Bruno Maderna ab. Sie erlangte ein Diplôme d’Études Approfondies (D.E.A.) und promovierte 1999 in Musikwissenschaft an der Ecole Pratique des Hautes Etudes an der Sorbonne. In ihrer Arbeit beschäftigte sie sich mit dem Orchesterwerk Ernest Chaussons, insbesondere dem Einfluss Richard Wagners auf die französischen Komponisten. 2005 folgte sie einer Einladung als Fulbright-Gastprofessorin ans Department für Musik der Columbia University in New York. Heute ist Lucia Ronchetti Professorin für Komposition am Conservatorio di Musica di Salerno.

Ihr kompositorisches Werk reicht von Opern und Kammeropern bis hin zu musiktheatralischen Experimenten ohne Bühne. Seit 2003 arbeitet sie mit dem Experimentalstudio des SWR in Freiburg zusammen. Von 2012 bis 2015 inszenierte sie im Rahmen einer Koproduktion der Semperoper Dresden und dem Opernhaus Halle ein mehrere Spielzeiten umfassendes Musiktheaterprojekt. In Braunschweig kam im Jahr 2017 Ronchettis Kammeroper „Rivale“, ein gemeinsames Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden und des Staatstheaters Braunschweig, im Kleinen Haus zur Aufführung.

Die offizielle Begründung für das Votum der Jury lautet: „Lucia Ronchetti ist eine der interessantesten und engagiertesten Künstlerpersönlichkeiten der zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten. Ihre Musik ist zugleich von hoher intellektueller Reflektiertheit, von großer Originalität und einer prägnanten Imaginations- und Ausdruckskraft geprägt. In ihrer kompositorischen Laufbahn wurde sie angetrieben von großer Neugier und einem immensen Wissensdurst, der sie stets über vorgezeichnete Grenzen hinausblicken ließ. Dies zeigt bereits ihr außergewöhnlich breit gefächertes Studium der Komposition, der Philosophie und der Musikwissenschaft samt Promotion. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen blickt Lucia Ronchetti stets auch in den Spiegel der Vergangenheit. Ihre Musik spricht eine höchst neuartige, innovative Sprache, greift dabei jedoch häufig auf ältere, meist barocke Werke zurück, die kompositorisch übermalt, reduziert oder neu ergründet werden. Ihre Beschäftigung mit der Barockmusik, ihr ausgeprägtes literarisches Urteilvermögen und ihre Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der menschlichen Stimme führen sie zur Erfindung beständig neuer musikalischer und musiktheatraler Formen jenseits konventioneller Dramaturgien und Stile.

In einer Zeit, die Gefahr läuft, ihr kulturelles Gedächtnis zu verlieren, erscheint Lucia Ronchettis Engagement für eine künstlerisch reflektierte, innovative Auseinandersetzung mit unserem kulturellen Erbe, das sie in die Zukunft führt, wegweisend. Hierfür und für ihr breit gefächertes Oeuvre verdient sie ohne Zweifel die Würdigung einer Auszeichnung mit dem Louis Spohr Musikpreis.“

Der Preisjury gehörten die freiberufliche Musikjournalistin Julia Spinola, Bojan Budisavljević (Musikkritiker für die „Neue Musikzeitung“ und ehemaliger Künstlerischer Leiter des „Netzwerks Neue Musik“) sowie Martin Weller (Orchesterdirektor des Staatstheaters Braunschweig und Präsident der Braunschweigischen Louis Spohr-Gesellschaft) an.

Der mit 10.000 Euro dotierte Louis Spohr Musikpreis zeichnet international bekannte und für die Musik der Gegenwart richtungweisende Komponistinnen und Komponisten aus. Namensgeber Louis Spohr, 1784 in Braunschweig geboren, gilt als wegweisender Komponist der Periode zwischen Klassik und Romantik und war einer der bedeutendsten Violinvirtuosen seiner Zeit. Im Jahr 1953 hat die Stadt Braunschweig erstmalig den bis 1994 noch mit „Ludwig Spohr Preis“ benannten Musikpreis vergeben. Zu den bislang 23 ausgezeichneten Preisträgern zählen u. a. Hans Werner Henze (1976), Olivier Messiaen (1991), Sofia Gubaidulina (1994), Salvatore Sciarrino (2007) und Adriana Hölszky (2019). Mit der Vergabe des Preises wird die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit der kulturpolitischen Verantwortlichkeit gegenüber den kommenden Generationen unterstrichen. Gleichzeitig erfährt die Musik als Kunstform und Kontinuum eine Würdigung.

Foto: oh/Stefano Corso

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