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„Shake Hands“: Modellprojekt zur konstruktiven Konfliktlösung in Lamme.

Wiederkehrender Zoff unter Jugendlichen, ein lange  schwelender Nachbarschaftsstreit, Stress in der Schule: Manchmal können Konflikte nur schwer ohne fachkundige Unterstützung beigelegt werden.

Ein Beitrag dazu ist das Modellprojekt „Shake Hands“, das im neuen Jahr im Braunschweiger Stadtteil Lamme auf den Weg gebracht wird. Zunächst professionelle, später auch ehrenamtliche Mediatorinnen und Mediatoren vermitteln kostenlos, um Konflikte konstruktiv beizulegen. Am Dienstag, 10. Januar, ab 18 Uhr findet im Familienzentrum St. Marien, Lammer Heide 9, eine Infoveranstaltung für angehende ehrenamtliche Mediatorinnen und Mediatoren statt.
Das Projekt wird unterstützt vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig.  Als Anschubfinanzierung erhielt die Stadt Braunschweig die Zusage für eine Förderung über zwei Jahre in Höhe von insgesamt 25.600,- Euro durch den Landespräventionsrat Niedersachsen im niedersächsischen Justizministerium. Damit werden unter anderem die Kosten für die Ausbildung der ehrenamtlichen Mediatorinnen und Mediatoren abgedeckt, die im März beginnt. Zwei Interessenbekundungen liegen bereits vor. Wer in Lamme wohnt und ebenfalls Interesse an einer solchen Tätigkeit hat, kann sich bewerben. Ansprechpartnerin in der Stadtverwaltung ist Esther Grüning, esther.gruening@braunschweig.de, Tel. 470-8672.

„Shake Hands“ ist Teil eines Aktionsplans, der unter Beteiligung der Akteure vor Ort im Rahmen der integrierten Präventionsstrategie „Communities that Care“ (CTC) der Stadt Braunschweig am Modellstandort Lamme auf den Weg gebracht wird. Insbesondere das Familienzentrum St. Marien, die örtliche Grundschule zusammen mit der Elternvertretung, die Bürgergemeinschaft, das Jugendzentrum, der Sportverein sowie der Stadtbezirksrat haben sich bei der Weiterentwicklung der Präventionslandschaft des Stadtteils im Rahmen von CTC eingebracht.  Durchgeführt wird das Projekt vom iko Institut für Konfliktlösungen, Braunschweig / Wolfenbüttel, welches seinen Ansatz zur konstruktiven Konfliktlösung zuvor mit positiver Resonanz bei den Akteuren vorgestellt hat. Schwerpunkte des iko Instituts sind seit mehr als 20 Jahren die Ausbildung von Mediatorinnen und Mediatoren, Mediationspraxis (Familien- und Wirtschaftsmediationen) sowie die Entwicklung neuer Ansätze zur konstruktiven Konfliktbearbeitung (z.B. Palaverzelt, Gemeinwesenmediation in Wolfenbüttel).

Grundsätzlich richtet sich das Angebot in Lamme an alle Einwohnerinnen und Einwohner des Stadtteils. Über Aktionstage in den Einrichtungen (wie Kita und Grundschule) sollen jedoch vor allem Kinder- und Jugendliche sowie deren Bezugspersonen erreicht werden, um die nötigen Sozialkompetenzen und Haltungen für ein respektvolles Miteinander möglichst früh zu entwickeln. Lamme wurde ausgewählt, weil es der Ortsteil mit dem höchsten Anteil an Jugendlichen in Braunschweig ist.
Ziel des gemeinsamen Projektes ist, ein friedliches und respektvolles Zusammenleben in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft zu fördern. Neben dem offenen Angebot einer kostenfreien professionellen Mediation für Konflikte im sozialen Nahraum (z.B. Nachbarschaft, Verwandtschaft, Familie, Schule, Verein) sollen über die Ausbildung ehrenamtlicher ortsansässiger Mediatorinnen und Mediatoren und die Durchführung von Aktionstagen in den örtlichen Einrichtungen konstruktive Konfliktlösungen entwickelt sowie demokratische Haltungen und Zivilcourage gestärkt werden.

Der Planungsprozess in Lamme basiert auf den Ergebnissen der CTC-Jugendbefragung, die alle zwei Jahre an den weiterführenden Schulen in Braunschweig durchgeführt wird und knüpft an zwei Initiativen auf kommunaler Ebene an: das Programm „Communities that Care“ (CTC), das auf einen Impuls des Braunschweiger Präventionsrates hin in den Jahren 2016/2017 eingeführt wurde sowie das Programm „Präventionsketten Niedersachsen“, das im Rahmen des kommunalen Handlungskonzepts Kinderarmut initiiert wurde.

Hintergrund:

„Communities That Care“

Grundlage von „Communities that Care“ sind langjährige Forschungsergebnisse der Universität Seattle (USA). In mehreren Langzeitstudien wurden Risiko- und Schutzfaktoren ermittelt, die die Entstehung bestimmter Problemverhaltensweisen bei Kindern und Jugendlichen maßgeblich beeinflussen. Die auf diesen Erkenntnissen basierende CTC-Methode wird in den USA seit 1985 bereits an hunderten Standorten angewandt. Außerhalb der USA ist CTC unter anderem in Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, Australien und Kanada erfolgreich im Einsatz. In Deutschland wird das Verfahren seit 2009 bundesweit in unterschiedlichen Städten und Landkreisen durchgeführt.

Präventionsketten Niedersachsen

Präventionsketten führen als integrierte kommunale Strategie zur Gesundheitsförderung und Prävention die kommunalen Aktivitäten für Heranwachsende und ihre Familien über die verschiedenen Altersgruppen und Lebensphasen hinweg zusammen. Sie umfassen Akteure, Angebote und Maßnahmen sowie fachspezifische Netzwerke, sind auf Strukturbildung in Kommunen ausgerichtet und als intersektoraler und interprofessioneller Ansatz zu verstehen.

Foto: oh/sweetlouise

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