
Die Stadt Braunschweig und die Norddeutsche Landesbank (NORD/LB) treten in ein vertiefendes Verfahren ein, um einen möglichen Ankauf der Liegenschaft Dankwardstraße 1 durch die Stadt Braunschweig näher zu prüfen.
Eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) haben beide Seiten am heutigen 29. Juli unterzeichnet, um die Interessen beider Seiten abzusichern und die Rahmenbedingungen des weiteren Prozesses zu beschreiben.
Nach Bekanntwerden des Rückzugs der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK) aus der Dankwardstraße 1 hat die Stadtverwaltung unmittelbar mit der NORD/LB als Eigentümerin des Gebäudes Gespräche aufgenommen, um die Innenstadtentwicklung im Rahmen der vom Rat beschlossenen Innenstadtstrategie zu steuern und zu begleiten.
Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum: „Mit dem Auszug der Landessparkasse aus dem traditionsreichen Bankgebäude in der Dankwardstraße wird ein zentral gelegenes, großes und repräsentatives Gebäude in der Innenstadt frei. Neben dem Bedauern über die Schließung der Filiale der BLSK eröffnet dies zugleich interessante Perspektiven für die Weiterentwicklung unserer Innenstadt und für die Stadt die Option, ausgelagerte Standorte der Stadtverwaltung bürgerfreundlich in die Innenstadt zurückzuholen. Aber auch für Unternehmen wie zum Beispiel Startups ist der Standort attraktiv. Deshalb haben wir uns in intensiven und konstruktiven Gesprächen darauf verständigt, die Eignung des Gebäudes detailliert zu prüfen und weiter über einen möglichen Kauf zu verhandeln.“
„Wir begrüßen das Interesse der Stadt an einer Nachnutzung des historischen Gebäudes in der Dankwardstraße und setzen auf konstruktive Gespräche, die nun folgen“, sagt Jörg Frischholz, CEO der NORD/LB. „Mit der geplanten Bündelung unserer Präsenz in Braunschweig und zusätzlicher Investitionen über die kommenden Jahre, richten wir die BLSK für unsere Kundinnen und Kunden im Braunschweiger Land zukunftsfähig und langfristig aus.“
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit einer Bruttogrundfläche von rund 9.800 Quadratmetern bietet im Bestand eine Mischung aus öffentlich zugänglichen Servicebereichen sowie abtrennbaren Büroflächen. Eine erste Übersicht hat ergeben, dass sich städtische Bedarfe in dem Gebäude grundsätzlich abbilden lassen, jedoch auch Sanierungsbedarf besteht.
Derzeit hat die Verwaltung im Stadtgebiet in größerem Umfang Flächen angemietet. Eine Zusammenführung würde wirtschaftliche wie organisatorische Vorteile erbringen, Logistikaufwand und Wegezeiten einsparen und die Erreichbarkeit und Servicequalität für Bürgerinnen und Bürger nachhaltig verbessern.
Die zentrale Lage in der Innenstadt und die unmittelbare Nähe zu den Gebäuden des Rathaus-Altbaus und des Rathaus-Neubaus bieten Synergien und eine optimale Erreichbarkeit für Bürgerinnen und Bürger sowie Beschäftigte. Insbesondere die Verlagerung des Fachbereichs Bürgerservice, hier des Einwohnermeldeamtes vom Stadtrand in die Innenstadt zurück, ist ein zentraler Baustein der Überlegungen. Ergänzend könnten die Flächen in den oberen Etagen des Gebäudes durch weitere Verwaltungseinheiten genutzt werden. Das könnte sich auch auf das bisherige Konzept und die Kosten zur Sanierung des Rathaus-Neubaus auswirken, da u.a. die dort geplante Bürgerhalle zur Konzentration von Serviceleistungen gegebenenfalls nicht mehr erforderlich wäre. Auch Mietausgaben für angemietete Liegenschaften im Stadtgebiet entfielen.
Erste städtische Mietverträge für größere Flächenanmietungen enden erst zum Jahresbeginn 2030. Die ehemalige Sparkassenfiliale könnte jedoch bereits früher, voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2027, wieder genutzt werden: Der seit 40 Jahren bestehende Technologiepark mit der Gründervilla am Rebenring muss saniert und modernisiert werden, da sonst dort angesiedelte Unternehmen abzuwandern drohen und Braunschweigs Wettbewerbsfähigkeit gefährdet wird. Die dort beheimateten Gründungsunternehmen sowie Einrichtungen zur Unterstützung von Startups könnten für den Zeitraum der Sanierung in die Dankwardstraße umziehen. Damit würde auch in der Übergangszeit eine Belebung an diesem Standort und für die Innenstadt erreicht. Zudem sollen so Synergien optimal genutzt, die Sanierung des Technologieparks erheblich vereinfacht und damit Kosten reduziert werden.
Zudem sollen die Partner im sogenannten Startup-Ökosystem in Braunschweig eingeladen werden, sich zu beteiligen und die Flächen in der Übergangszeit zu nutzen. Dies würde einen lebendigen Ort mit entsprechender Impulswirkung mit sich bringen und könnte bei entsprechendem Interesse in überschaubarem Umfang Kosten sparen oder Finanzierungsbeiträge für die Zwischennutzung erbringen.
Eine vertiefende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Gesamtkonzepts wird mit den nun folgenden Prüfungen erarbeitet. In diesem Zusammenhang prüft die Verwaltung auch etwaige Fördermöglichkeiten für die Sanierung des Technologieparks. Im aktuellen Doppelhaushalt 2025/2026 stünden unter Berücksichtigung von Haushaltsresten der Liegenschaftsverwaltung entsprechende Mittel für den Ankauf des Gebäudes zur Verfügung. Zu weiteren Einzelheiten der Verhandlungen wurde zwischen der Stadtverwaltung und der NORD/LB Vertraulichkeit vereinbart.
Stadt Braunschweig und NORD/LB sind sich einig, dass die weitere Überprüfung sowie die konzeptionellen Überlegungen möglichst bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen. Im Rahmen eines wirtschaftlichen Gesamtkonzepts wird die Verwaltung dem Rat dann eine Beschlussvorlage mit einem Vorschlag zum weiteren Vorgehen unterbreiten.
Foto: oh/adobe stock
