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Polizeiliche Kriminalstatistik

Die Gefahr, Opfer von Kriminalität zu werden, hat in der Region Braunschweig im vergangenen Jahr ein weiteres Mal abgenommen.

Die Kriminalitätshäufigkeit in der Polizeidirektion Braunschweig ging das vierte Jahr in Folge zurück. Auch das Straftatenaufkommen war mit rund 68.000 Straftaten erneut so niedrig wie nie. Der Aufwärtstrend in der Entwicklung der Aufklärungsquote konnte sich kontinuierlich fortsetzen und hat mit 63,73 Prozent den höchsten Wert der letzten 10 Jahre erreicht. Es ist gelungen, die seit 2015 als Schwerpunkte der Kriminalitätsbekämpfung ausgewiesenen Delikte, Wohnungseinbruchs- und Kraftfahrzeugdiebstähle, nachhaltig zu reduzieren. In beiden Deliktsfeldern liegen die Straftaten weit unter den Werten von 2010. Polizeipräsident Michael Pientka: „Die Betrachtung der Sicherheitsgewinne in den letzten 10 Jahren ist beachtlich. Wir haben uns mit neuen Konzepten in der Kombination von Präventions-, Fahndungs- und Ermittlungsarbeit auf die Herausforderungen der Kriminalitätsentwicklung angepasst. Auch im vierten Jahr in Folge sind diese Maßnahmen offensichtlich langfristig ausgerichtet. Wir setzen nach wie vor die Hälfte der polizeilichen Arbeitszeit aller Polizistinnen und Polizisten in der „Kriminalitätsbekämpfung“ ein.

Diese Anstrengungen in unserer Kernaufgabe zahlen sich positiv aus.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass wir beim Wohnungseinbruchdiebstahl und Kraftfahrzeugdiebstahl eine deutliche Reduzierung feststellen konnten: mit 1.282 Wohnungseinbrüchen im Jahr 2019 sind nochmals 380 Fälle weniger als in 2018 und damit der geringste Stand seit 2010 angefallen. Die Spitze dieser Straftaten verzeichneten wir im Jahr 2015 mit fast doppelt so vielen Taten. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Betrachtung des Kraftfahrzeugdiebstahls. Mit 394 Taten im vergangenen Jahr waren es fast 600 Taten weniger gegenüber 2010. Auch in diesem Bereich lag die Spitze mit 747 Taten im Jahr 2015, die wir seitdem kontinuierlich reduzieren konnten. Maßnahmen wie täterorientierte Ermittlungen, einschließlich zielgerichteter Kontrollen auf den Verbindungsrouten gestohlener Fahrzeuge, haben sich gut bewährt.

Die Aufklärungsquote konnten wir mit 63,73 Prozent abermals ein Stück steigern.

Dies ist der Höchststand der letzten 10 Jahre. Es freut mich sehr, dass es uns gelungen ist, die Qualität unserer Arbeit nachhaltig zu sichern.
Kummer bereiten uns leider immer noch die Straftaten zum Nachteil älterer Menschen mit den besonderen Begehungsweisen „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“. In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Anzahl des „Enkeltricks“ stetig erhöht, bis im Jahr 2015 mit 354 Fällen der Höhepunkt dieser Delikte erreicht wurde. Durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit und große Anstrengungen im Bereich der Präventionsarbeit konnte erreicht werden, dass derzeit neunzig Prozent aller Fälle im Versuchsstadium bleiben. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir insgesamt 244 Taten. In lediglich 26 Fällen erreichten die Täter ihr Ziel. Die Herausforderung bei der Bekämpfung dieser Deliktsform ist, dass die Täter ihre Begehungsweisen immer wieder verändern.

In unserem Fokus steht besonders das Phänomen des „falschen Polizeibeamten“, das mit 547 im Jahr 2019 sprunghaft gegenüber 149 Taten im Jahr 2018 angestiegen ist.

Vor 10 Jahren gab es ganze drei Fälle. Gut organisierte Tätergruppierungen agieren bundes- und europaweit. Sie nutzen mit dieser speziellen Begehungsweise in besonderem Maße das Vertrauen in die Polizei und altersbedingte Einschränkungen ihrer Opfer aus. Unabhängig vom großen psychischen Schaden, den die Betroffenen oft erleiden, beläuft sich der Sachschaden der letzten 10 Jahre allein in unserer Region auf über 4 Mio. Euro.

Wir lassen aber auch künftig nicht nach und stellen uns mit gezielten Ermittlungen, mit einer umfassenden Präventionsarbeit und einer breit angelegten Berichterstattung über diese Delikte, dieser Kriminalitätsform entgegen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Geldinstituten sensibilisieren wir weiterhin über diese Straftaten, um potentielle Opfer noch vor dem Geldabheben auf die Gefahren hinzuweisen. Zudem informieren wir die Öffentlichkeit umgehend mit Warnmeldungen in den sozialen Medien, wenn Trickbetrüger oder „falsche Polizeibeamte“ gerade in der Region aktiv sind.
Während die Nutzung des Internets und der sozialen Medien für die Informations- und Präventionsarbeit der Polizei von großem Nutzen sind, bereitet uns das Tatmittel „Internet“, immer mehr Probleme.
Zu „Cybercrime“ gehören seit 2016 die Straftaten, „die sich gegen das Internet, die Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten oder die mittels dieser Informationstechnik begangen werden“. In der Region Braunschweig sind in 2019 insgesamt 1.403 Fälle des „Warenbetruges mit Tatmittel Internet“ angezeigt worden, das sind 113 Taten mehr als im Jahr zuvor. Ebenso wurden auch 48 Fälle von „Bedrohung, Beleidigung und Nötigung mittels Internet“ mehr als im Jahr 2018 (321) (in 2019 waren es 369) angezeigt.
Sogenannter Computerbetrug ist im gleichen Zeitraum um 221 Fälle (in 2018 waren es 470 Taten und in 2019 249) zurückgegangen. Dies führen wir u.a. auf intensive Aufklärungskampagnen, wie z.B. die Informationsveranstaltung „Cybersicherheit – Online? Aber sicher!“ oder themenspezifische Präventionsveranstaltungen unserer Polizeiinspektionen zurück.

Einen erheblichen Anstieg verzeichneten wir im Bereich der Kinderpornografie, hier insbesondere die „Verbreitung pornografischer Schriften mittels Internet“.

Hier erhöhte sich die Anzahl von 103 Taten in 2018 auf 192 Taten im Jahr 2019. Die auch bundesweit massive Steigerung dieser Fälle ist insbesondere auf die Hinweise zu Dateien mit kinderpornografischen Inhalten von der „US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC)“ an das Bundeskriminalamt (BKA) zurückzuführen. Seit 2018 führen die vermehrten Hinweise mit anschließenden umfangreichen Ermittlungen in Deutschland zu einer signifikanten Steigerung der Fallzahlen.
Durch die vermehrte Nutzung von Smartphones und soicalmedia sind „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bei den Kindern und Jugendlichen“ durch Gleichaltrige um fast 70 Prozent (von 88 im Jahr 2018 auf 148 Fälle in 2019) auch in unserer Region gestiegen. Vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Snapchat können Videos, Bilder oder Links einfach vervielfacht und weitergeleitet werden. Vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene machen sich offenbar keine ausreichenden Gedanken über die geteilten Dateien mit pornografischen Inhalten. Über die Folgen für sich oder die Empfänger sind sich die jungen Menschen offensichtlich nicht im Klaren.

Bedenklich ist zudem die Entwicklung der Körperverletzungen insgesamt durch Kinder von 186 in 2018 auf 267 Fälle in 2019 (Steigerung um 43,55%).

Auffällig ist außerdem der deutliche Anstieg bei den Straftaten, die durch Kinder und Jugendliche im Schulkontext (von 497 Taten in 2018 auf 688 Taten im vergangenen Jahr) begangen wurden. Hier fallen vor allem die Körperverletzungsdelikte mit einer Steigerung von 157 Fällen ins Gewicht. Durch die Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Schulen und den Präventionsteams der Polizeiinspektionen wird diesen Entwicklungen begegnet.
Sorge bereitet mir weiterhin auch die große Zahl von Straftaten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Sie ist mit 504 Taten (491 in 2018) und dabei 1015 (973 in 2018) geschädigte Polizist*innen im vergangenen Jahr wiederholt gestiegen. Bei den Übergriffen wurden 184 Einsatzkräfte verletzt. Bedauerlicherweise war die Verletzung in einem Fall sogar schwer.
Angriffe auf Rettungskräfte und Feuerwehr gehen oftmals mit denen auf Polizeibeamt*innen einher, weil sie in vielen Fällen zusammen mit der Polizei im Einsatz sind.

Für Sicherheit und Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger zu sorgen, ist Grundverständnis aller Einsatzkräfte, die mit viel Engagement rund um die Uhr ihren Dienst leisten.

Obwohl die Gefahr, während der Dienstausübung durch Angriffe verletzt zu werden, nochmals größer geworden ist, sind sie es aber, die trotz der Widrigkeiten den Erfolg von Rettungs- und Polizeiarbeit garantieren und verdienen deshalb unser aller Respekt.“

Foto: oh/Polizei Braunschweig

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