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OB Dr. Kornblum: Wir werden weiterhin erheblich in den Hochwasserschutz investieren

Braunschweig hat das Hochwasser über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel gut bewältigt.

Braunschweig hat das Hochwasser über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel gut bewältigt. Schutzmaßnahmen, die im Rahmen des nach dem Sommerhochwasser 2017 erstellten Hochwasserschutzkonzeptes umgesetzt wurden, zeigten Wirkung.

Gleichwohl sind weitere Maßnahmen erforderlich, um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger auch bei zukünftigen und stärkeren Hochwasserereignissen sicherzustellen. Das ist das Ergebnis einer ersten Bilanz, welche die Verwaltung jetzt gezogen hat.

„Alle, die über die Feiertage im Einsatz waren, haben Enormes geleistet“, betont Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum. „Mit großem Engagement haben sie rund um die Uhr für den Schutz unserer Stadt gearbeitet. Dafür sei ihnen noch einmal ausdrücklich gedankt.“ Nun gelte es, die gesammelten Erfahrungen detailliert auszuwerten und in die strategische Planung für den Hochwasserschutz einzuarbeiten.  Kornblum: „Umgesetzte Schutzmaßnahmen aus unserem Hochwasserschutzkonzept haben ihre Wirkung entfaltet und dafür gesorgt, dass es zu keinen gravierenden Schäden gekommen ist.

Sie reichen aber noch nicht aus. Wir werden daher weiterhin in großem Umfang in den Hochwasserschutz investieren und die technische Ausstattung der Feuerwehr weiter optimieren. Dazu sind erhebliche Mittel erforderlich – für einen zweiten Mobildeich, eine zweite Sandsackfüllmaschine und verbesserte Schutzkleidung für die Feuerwehrleute zum Beispiel.“ Dafür müssten erhebliche Mittel aufgewendet werden, weshalb eine deutlich erhöhte staatliche Förderung notwendig sei. Dies umso mehr, als nach Expertenmeinung aufgrund des Klimawandels in Zukunft mit häufigeren Hochwasser- und Starkregenereignissen zu rechnen sei.

Zur Umsetzung von Maßnahmen des präventiven Hochwasserschutzes ist die Unterstützung auch der Bürgerinnen und Bürger notwendig. Der OB: „Wir sind auf die Mithilfe von Grundstückseigentümern angewiesen, wenn wir etwa einen Deich ausbauen oder eine Schutzmauer errichten wollen. Das sind teilweise sehr schwierige Gespräche, weil hier bei manchen leider die Einsicht fehlt. Bisher gibt es keine gesetzliche Möglichkeit etwa einer hoheitlichen Anordnung. Der Schutz der Allgemeinheit sollte aber über dem Recht des Eigentümers stehen. Hier ist der Landesgesetzgeber aufgerufen, nachzusteuern.“ Konkret betrifft dies bauliche Schutzmaßnahmen etwa in der Schuntersiedlung.
Christian Geiger, Stadtkämmerer und Feuerwehrdezernent, hebt die gute Vorbereitung der Einsatzkräfte durch entsprechende Übungen hervor. „Den Katastrophenschutz bei Hochwasser hat die Feuerwehr interdisziplinär gemeinsam mit weiteren Akteuren im Bevölkerungsschutz in den vergangenen Jahren in der Übungsserie ‚Okerflut‘ trainiert“, berichtet er. „Schwerpunkte waren die Reaktion auf Hochwasser-Gefahren sowie die Sandsack-Logistik.

Diese Vorbereitung war außerordentlich hilfreich, ermöglichte kurze Reaktionszeiten und einen erfolgreichen Einsatz.“ So sei die örtliche Einrichtung von Sandsack-Füllstationen im Self-Service von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen worden und habe die Einsatzkräfte entlastet, indem diese sich ihren prioritären Aufgabenschwerpunkten widmen konnten.

„Die konsequente Umsetzung der prioritären Maßnahmen – Innenstadt, Schuntersiedlung, Stöckheim und Bürgerpark – aus dem bestehenden Hochwasserschutzkonzept (HWSK) wird weiter verfolgt“, betont Umweltdezernent Holger Herlitschke. Das HWSK werde zudem mit allen neuen Erkenntnissen fortgeschrieben. Es sei absehbar, dass an der Oker neue Maßnahmenschwerpunkte des präventiven Hochwasserschutzes etwa im Bereich Maschstraße, aber auch im Bereich der Feuerwehr hinzukämen.
In Stöckheim stehen die landwirtschaftlichen Flächen westlich des Rüninger Weges nicht zur Verfügung, sodass aktuell baulich deutlich aufwändigere Lösungen im Straßenrandbereich sowie alternativ eine mobile Variante erarbeitet werden. Kosten: rund eine Million Euro für die Anschaffung eines zweiten Mobildeichs. Zusätzliche Kosten fallen für den Umbau der Kanalisation und den Bau mindestens eines Pumpwerks an.

In der Schuntersiedlung ist eine Hochwasserschutzmauer geplant, an der abschnittsweise Erdrampen und technische Aufstiegshilfen für Amphibien vorgesehen sind. Entlang von vier Grundstücken, die trotz aller Gespräche nicht für den Hochwasserschutz zur Verfügung stehen, ist eine Spundwandlösung direkt an der Mittelriede vorgesehen. Im Norden, zur Schunter hin, soll im Bereich eines Fußwegs ein Damm errichtet werden. Hier sind die Flächen im Besitz der Stadt Braunschweig. Geschätzte Gesamtkosten: rund 1,1 Millionen Euro.

Auch bei der operativen Hochwasserbekämpfung gibt es Optimierungsbedarf. Torge Malchau, Leiter der Berufsfeuerwehr: „Am Eisenbütteler Wehr lagen die Abflusswerte der Oker in der Spitze bei annährend 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Deshalb wurde die Schutzfunktion des am Kalenwall vorsorglich ausgebrachten Mobildeiches nicht benötigt. Die Menge entsprach knapp einem Hochwasser, wie es statistisch alle 20 Jahre vorkommt (HQ 20) Bei einem Hochwasser der Stärke HQ 100 sähe das anders aus. Dann muss mit fast der doppelten Abflussmenge in der Oker gerechnet werden.“ Malchau weiter „Erst durch die Unterstützung der Partnerstadt Magdeburg, die eine weitere, moderne Sandsackfüllmaschine bereitstellte, gelang es, die Sandsackvorhaltung in erforderlichem Maß zu steigern.“ 

Deshalb sei die Beschaffung einer zweiten Sandsackfüllmaschine inklusive Teleskoplader erforderlich. Kosten: ca. 250.000 Euro. Zudem werde geprüft, ob auch die vorhandene Sandsackfüllmaschine durch ein „Modell Magdeburg“ ersetzt werden könne, was weitere Kosten von rund 200.000 Euro verursachen würde.
Was die Sandsacklogistik betrifft, so ist eine Verbesserung in diesem Jahr bereits absehbar: Das Land stellt der Feuerwehr Braunschweig einen 40-Tonnen-Logistik-Gliederzug unentgeltlich zur Verfügung. Im städtischen Haushaltsplan ist darüber hinaus die Beschaffung von zwei Logistik-LKW für insgesamt rund 300.000 Euro vorgesehen.

Im Blick auf künftige Ereignisse müsse auch die Persönliche Schutzausstattung der Feuerwehrleute verbessert werden, etwa durch Einsatzstiefel mit Nässesperre, Overalls und Wetterschutzhüte gegen Sonnenschein und Regen, fügt Feuerwehrchef Malchau hinzu. Die vorhandene Schutzkleidung sei auf Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung optimiert. Die entsprechenden Kosten werden auf zirka 400.000 Euro beziffert

Foto: oh/Adobe Stock